Ginkgo Biloba
Beschreibung:
Besteht aus Ginkgoblätter, Trockenextrakt (35-67 : 1) extrahiert mit Aceton-Wasser (Ginkgo bilobae folium).
Wirksamkeitsmitbestimmende Inhaltsstoffe:
5-7 % Terpenlaktone (davon 2,8-3,4 % Ginkgolide A,B,C), 22-27 % Flavonglykoside (bestimmt als Quercetin), 4-10 % Proanthocyanidine, 0,4-2 % Biflavone, 2,6-3,2 % Bilobalid (Sesquiterpe), 1-2 % Ginkgolsäuren (Monographieanforderung ist < 5 ppm im Extrakt).
Wirkungen:
Sämtliche Wirkungen sind experimentell und/oder klinisch nachgewiesen.
- Steigerung der Hypoxietoleranz, vor allem des Hirngewebes.
- Hemmung der Entwicklung eines traumatisch oder toxisch bedingten Hirnödems und Beschleunigung seiner Rückbildung.
- Verminderung des Retinaödems und von Netzhautzell-Läsionen.
- Steigerung der Gedächtnisleistung und des Lernvermögens.
- Förderung der Kompensation von Gleichgewichtsstörungen.
- Förderung der Durchblutung, v.a. im Bereich der Mikrozirkulation.
- Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes.
- Inaktivierung toxischer Sauerstoffradikale.
- Hemmung der Plätchenaggregation und -adhäsivität.
- Neuroprotektive Wirkung.
- EEG-Veränderungen im Sinne einer erhöhten Vigilanz.
- Hemmung der Erythrozytenaggregation.
- Hemmung der Leukozyteninfiltration.
- Verhinderung der erhöhten Gefäßpermeabilität → keine vermehrte zelluläre Freisetzung von Kallikrein, Prostaglandinen, Histamin und Calcium.
- Antiischämische Wirkung auch im Gewebe.
- Verminderung der Schwankamplituden bei vestibulärem Schwindel (=Drehschwindel).
Wirkmechanismus:
Wirkungen im Gehirn:
- Aktivierung der Astrozyten → vermutlich Beschleunigung von Phagozytoseprozessen im zerebralen Gewebe.
- Schnellere Reabsorption eines Hirnödems und Beschleunigung der Reparationsvorgänge der Astrologia.
- Allgemein antioxidative Eigenschaften als Radikalfänger.
- Protektion gegenüber postischämischen Gehirnschädigungen (Ginkgolide).
- Hemmung der altersbedingten Reduktion von muskarinergen Cholinrezeptoren und alpha2 Adrenozeptoren sowie Förderung der Cholinaufnahme im Hippokampus.
- Förderung der Aufnahme und Verwertung von Glukose und Sauerstoff.
- Reparative Wirkung auf die altersbedingte Abnahme der Rezeptorendichte für verschiedene Neurotransmitter-Systeme.
Wirkungen an den Gefäßen:
- Antagonismus gegenüber dem plättchenaktivierenden Faktor (Ginkgolide sind PAF- Antagonisten) → Thrombozytenhemmung und Erniedrigung der Kapillarpermeabilität.
- Hemmung der Lipidperoxidation → Regulierung des Thromboxanprostacyclin-Gleichgewichts zugunsten der Prostacyclinsynthese. Prostacyclin vermindert den Gefäßtonus und wirkt der Thrombozytenaggregation entgegen, wogegen Thromboxan die Thrombozytenaggregation fördert. Durch den relativen Überschuss an Thromboxan A wird die Adenylatcyclase gehemmt, was zu einer erniedrigten cAMP¹-Konzentration führt. Eine hohe Konzentration an cAMP fördert die Formstabilität von Thrombozyten, eine niedrige Konzentration begünstigt dagegen die Thrombozytenaggregation.
- Hämolyseschutz der Erythrozyten durch Membranstabilisierung.
- Senkung der Kapillarpermeabilität.
Weitere Indikationen aufgrund klinischer Studien:
- Verbesserung der peripheren Durchblutung bei funktionellen Herzbeschwerden.
Kontraindikationen:
Überempfindlichkeit gegenüber Ginkgo-bilobia-Zubereitungen.
Nebenwirkungen:
Sehr selten leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, allergische Hautreaktionen.
Interaktionen:
Keine bekannt.
Auszug aus dem Leitfaden für Phytotherapie von H. Schilcher und S. Kammerer.
¹cAMP: Abkürzung für Cyclo-Adenosinmonophosphat; second messenger bei der Signaltransduktion v. a. hydrophiler Hormone (ACTH, ADH, Adrenalin, Calcitonin, FSH, Glucagon, HCG, Lipotropin, LH, MSH, Noradrenalin, Parathormon, TSH); Biosynthese mit Adenylatcyclase aus ATP; Abbau durch spezif. Phosphodiesterase zu AMP.

